Die Herdenschutzkurse gehen los – Hundetage in Südtirol machen den Anfang!

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Die Partner aus Südtirol haben gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Salern die ersten zwei Fortbildungen zum Thema Hütehunde und Herdenschutzhunde organisiert. Die Kurse waren Teil der Hirtenausbildung, die Salern leitet und in der LIFEstockProtect einige Module übernimmt.

Hütehunde

Ende März stand der Kurstag ganz im Zeichen der Hütehunde. Mit Anita Gnigler und Thomas Schranz führten zwei erfahrene Praktiker und selbst jahrelange Hütehunde-Besitzer durch den Tag. Im Laufe des Vormittages wurden verschiedenste Aspekte in der Haltung und der Ausbildung von Hütehunden vorgestellt. Anita zeigte mit einer Gruppe von Erpeln, wie sie mit ihrer Hündin Karo trainiert, die Weidetiere zu führen. Enten und Hündin kennen sich gut und und die Enten bewegen sich kompakt und gelassen in die Richtung, die Anita der Hündin anzeigt. Sie verständigen sich mit Körpersprache, einigen Kommandos und Pfiffen.

Hingegen das Führen von Schafen, die keinen Kontakt zu Hunden hatten, verlief gar nicht entspannt. Die Schafe wehrten sich, ihre Richtung wechseln zu müssen. Das Training war für sie noch völlig ungewohnt. In der Praxis müssen Hütehunde und Weidetiere miteinander bekannt werden, bevor sie in Aktion treten. Anita und Thomas bringen Vorschläge, wie das beim Auffahren der Weidetiere auf die Alm so ruhig als möglich ablaufen kann. Die Weidetiere schrecken vor Hunden, wenn sie sich nicht daran gewöhnen konnten. Hunde bei sportlichen Wettbewerben dürfen die Schafe nicht berühren. Hütehunde hingegen müssen auch widerspenstige Weidetiere dorthin bewegen, wo sie die Hirten führen wollen, ohne Gewalt, aber ein Knuff kann vorkommen. Die Ausbildung eines guten Hütehundes braucht viel Zeit, Einfühlung und den richtigen Platz. Daher sind die Erpel für die Wanderschäferei Tiroler Oberland eine praktische Alternative.

Die Kursteilnehmende, erfahrene Hirtinnen und Hirten genauso wie Neueinsteigende, wollten noch viel mehr wissen und stellten auch ganz konkrete Fragen: Wie füttern Anita und Thomas die Hunde? Was kostet ein ausgebildeter Hütehund?

Herdenschutzhunde

Eine Woche später standen Herdenschutzhunde am Programm. Alberto Stern, Tierarzt, Züchter von Schafen und Hütehunden, die er ausbildet, wobei er das Schaffleisch ab Hof vermarktet. Seit 2001 hält er auch Herdenschutzhunde, da er nach Beginn der Rückkehr von Wölfen in die Schweiz einen Weg suchte, seine Schafe sicher weiden zu lassen. Herdenschutzhunde sind seiner Erfahrung nach dafür die beste Lösung. Heute ist er Organisationsmitglied in Graubünden zu Einsatz und Prüfung der Herdenschutzhunde. Er berichtete über seinen eigenen Werdegang und die Anfangsschwierigkeiten in den ersten Jahren mit den Hunden. Bei der Züchtung und Weitergabe der Welpen betonte er, dass die Tiere mindestens 3 Monate alt sein müssen, da eine vertraute Umgebung bis zu diesem Zeitpunkt entscheidend ist. Die neuen Halterinnen und Halter werden auf seinem Hof und in anderen Fachstellen der Schweiz auf die Hunde vorbereitet, erst dann erhalten sie eine finanzielle Unterstützung für die Haltung der Hunde (die Preise für die Hunde sind ebenfalls gestützt). Alberto sagt, wichtiger als die Rasse sind Hunde aus Arbeitslinien, die Elterntiere müssen Herdenschutzhunde sein, die in der Herde sehr gut arbeiten. Pedigree und Zuchtnachweis ist dagegen unwichtig. Vor Abgabe werden die Gesundheit der Hunde überprüft, manchmal kommen Hüftfehlstellungen vor. Herdenschutzhunde vor ihrem Einsatz müssen in der Schweiz eine Prüfung bestehen: Arbeiten sie mit allen Menschen, nicht nur mit der vertrauten Bezugsperson? Bleiben sie auch in Stresssituationen ruhig? Sie sollen die Herde durch Bellen und sich Positionieren verteidigen, aber auf keinen Fall Menschen und ihren Familienhunden zu nahe kommen, wenn sie sich entlang eines Wanderweges an der Herde vorbeibewegen. Die Prüfung der Zuchthunde ist sehr anspruchsvoll, wenige Hunde erreichen diesen Grad an Perfektion: energische Abwehr von Wölfen und Bären und ruhige, souveräne Begleiter der Weidetiere innerhalb einer stark genutzten Umgebung.

Auch in Südtirol halten einige Züchterinnen und Züchter von Schafen und Ziegen Herdenschutzhunde, einer, Philipp Bertagnolli, berichtete von seinen Erfahrungen aus den letzten drei Jahren. Es braucht viel Wissen, aber auch Tatkraft und den Mut für die ersten Schritte, ergänzt er überzeugt.

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