Ein Hirte geht neue Wege. Ein Lagebericht aus dem Vinschgau

Der Aufstieg zu Erich ist nicht leicht. Steil und ohne erkenntlichen Pfad geht es von der Kuhweide hoch hinauf zu ihm und seinen mehr als 400 Schafen. Erich weidet mit den Schafen die Berghänge der Krippaland-Alm an der Grenze zur Schweiz ab. Seit mehr als zehn Jahren ist Erich Hirte, praktiziert den geführten Weidegang und hat seine zwei Hütehunde als treue Begleiter stehts dabei. In dieser Almsaison gibt es eine Neuerung: Zwei Herdenschutzhunde, Rasse Maremmano Abruzzese, unterstützen ihn bei seiner Arbeit. Die Hunde wurden bereits zuvor mit Schafen zusammengehalten, aber es war ihre erste Erfahrung auf einer Alm. Von verschiedenen Seiten gab es Skepsis, ob das mit den Hunden auch funktionieren kann. Doch Erich wollte es probieren: „Jetzt bin ich froh, dass sie da sind“.

Vor der Almsaison: Gewöhnung zwischen Mensch und Tier. Photo: Johanna Platzgummer

Die bisherige Bilanz fällt positiv aus. Die Hunde machen intuitiv ihre Arbeit und mit Wanderern gab es bis jetzt keinerlei Zwischenfälle. Nachts patrouillieren die Hunde im oder um den Nachtpferch der Schafe herum, untertags dürfen sie dann auch mal bei der Hütte ausruhen, während Erich mit den Schafen umherzieht.

„Der größte Feind ist das schlechte Wetter und der Nebel. Da hat man oft einfach keine Chance“

Zwei Schafsrisse musste Erich hinnehmen, nachts, bei schlechtem Wetter, außerhalb des Zaunes und weit entfernt von Hütte und Hunden. Den absoluten Schutz gibt es leider nicht, aber die Bilanz ist bis jetzt trotzdem positiv, vor allem seit die Anwesenheit von Wölfen bestätigt ist.

„Es ist nicht leicht, besonders alleine beim Umzäunen. Aber es melden sich immer wieder Leute, die gerne helfen wollen.“

Das Interesse am Beruf des Hirten/der Hirtin scheint wieder aufzublühen. Und dieses Interesse muss gefördert werden, um die Hirtinnen und Hirten zu unterstützen, die sich mit dem Thema Herdenschutz ganz neuen Aufgaben zu stellen. LIFEstockProtect hat heuer damit begonnen, ein Freiwilligennetz aufzubauen, für kurze und längere Arbeitseinsätze bei Hirtinnen und Hirten sowie Viehbauerinnen und Viebauern. Interessierte können sich dafür gerne hier melden.

In der Zwischenzeit steigt Erich schon wieder den Hang hoch, neue Zäune holen, eine Schlechtwetterkoppel aufbauen, für den Fall der Fälle.

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