Reges Interesse an Infoabenden zu Herdenschutz in Bayern

Bioland Bayern führte Ende Februar und Anfang März zwei online Infoabende zu aktuellen Themen des Herdenschutzes durch. Über 60 Teilnehmende (TN) lauschten den Vorträgen, stellten Fragen und diskutierten angeregt.

Erfahrungen aus Italien

Nach den Grußworten von Otto Gasselich und Peter Karner vom Projektleader Bio Austria berichtete Martin Hermle von der Bioland Beratung Bayern, über die wichtigsten Erkenntnisse der Projektexkursion im Majella Nationalpark vergangenen September. Der dünn besiedelte Nationalpark liegt im südlichen Teil der Abruzzen in Italien und weist mit 10 Wolfsrudeln auf ca. 740 km2 die größte Wolfsdichte in Europa auf. Zusätzlich besiedeln auch wenige, stark gefährdete Marsische Braunbären das Gebiet. In erster Linie werden von ca. 120 landwirtschaftlichen Betrieben Schafe gehalten.

Der Herdenschutz dort besteht aus drei Elementen. Tagsüber werden die Schafe von auch im Umgang mit Wölfen erfahrenen Hirtinnen und Hirten betreut. Nachts werden die Schafe in festen, elektrisch oder mechanisch gesicherten Nachtpferchen untergebracht. Tagsüber begleiten Herdenschutzhunde der Rasse Maremmano Abruzzese die Herde mit ihrem Hirtinnen oder Hirten. Die Hunde zeichnen sich durch eine sehr selbstständige Arbeitsweise und einem freundlichen Verhalten gegenüber Menschen und auch Hunden aus. Der Herdenschutz funktioniert insgesamt sehr gut und Wolf und Bär haben vor Ort eine sehr hohe Akzeptanz. 

Wie funktioniert Herdenschutz in Bayern?

Christoph Schinagl, auch Berater bei Bioland, informierte die TN über die derzeitigen Möglichkeiten, wie der Herdenschutz in Bayern staatlich gefördert wird. Entscheidend ob und in welchem Umfang Herdenschutzmaßnahmen gefördert werden, hängt von der Gebietskulisse ab. Diese Kulissen werden vom Landesamt für Umwelt erstellt und je nach Ereignissen und Wolfsnachweisen aktualisiert.


In Bayern werden derzeit, je nach Kulisse, mobile oder feste Elektrozäune, mobile Ställe und / oder die Anschaffung und der Unterhalt von Herdenschutzhunde gefördert. Die Behirtung von Herden sowie der Unterhalt von Zäunen sind nicht förderfähig. Letztere Punkt wurde von den TN heftig diskutiert und kritisiert, da der Unterhalt der Zäune sehr aufwendig ist und tierhaltende Betriebe bereits jetzt an ihre Arbeitskapazitätsgrenze stoßen.
Eine Übersicht was genau und wie gefördert wird ist hier zu finden.

Riss gefunden – und jetzt?

Stefanie Morbach, Projektmitarbeiterin vom BUND in Bayern und Manfred Wölfl, vom Landesamt für Umwelt, Referat Umweltmanagement, beschäftigten sich mit dem Thema, was zu tun ist, wenn man ein totes Tier auf der Weide findet und man den Verdacht hat, dass es gerissen worden ist. Stefanie Morbach riet den TN sich im Familien- und Bekanntenkreis Unterstützung zu holen, bei jemanden der sich vor Ort auskennt und evtl. einer rissbegutachtenden Person das tote Tier zeigen kann, falls man selbst verhindert ist. Sehr wichtig sei aber, den Vorfall auf jeden Fall zu melden und auch den benachbarten Tierhalterinnen und Tierhaltern Bescheid zu geben, damit diese bei gefährdeten Tieren evtl. Vorsichtsmaßnahmen treffen können. 


Manfred Wölfl wies auf die sehr wichtige fotographische Dokumentation des toten Tieres hin. Hier ist vor allem der Hals- und Nackenbereich sehr wichtig. Eventuelle Fraßstellen sind zweitrangig, da sich auch von Nachnutzern wie Fuchs etc. stammen können. Sehr wichtig ist eine zeitnahe Meldung an die Fachstelle für große Beutegreifer. 

Telefon (auch am Wochenende per AB besetzt): 09281-1800-4640


Nach sorgfältiger Prüfung wird dann, wenn der Verdacht auf Riss durch einen großen Beutegreifer weiter besteht, eine rissbegutachtende Person zur Begutachtung und Probennahme beauftragt. Wölfl bat darum, diese Rissbegutachtende trotz aller Aufregung freundlich und fair zu behandeln, da diese ehrenamtlich ihren Dienst für das Gemeinwohl verrichten. 

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